Jeder kennt noch aus der Schulzeit die Qual in der Physik (ich spreche hier natürlich nicht aus meiner Sicht) mit den abertausenden Gleichungen, die irgendwie gelernt werden wollten und in was für einen Lernaufwand sich dies äußerte. Dabei ist alles ganz leicht: Alles, was man braucht, um z.B. sämtliche Gleichungen der klassischen Mechanik herzuleiten sind zwei Dinge:
1. die drei newtonschen Axiome und 2. ein geeignetes Koordinatensystem – weder mehr noch weniger!
Dieses einfach Beispiel können wir verallgemeinern: Was benötigt wird, sind nicht viele Gleichungen, sondern die richtigen.
Diese – meiner bescheidenen Meinung nach – fundamentale Erkenntnis, lässt sich verallgemeinern und auf viele andere Dinge beziehen, daher hier noch einige anschauliche Beispiele für alle Nicht-Physiker unter euch Lesern:
Auf so machen Touren, die ich mit den Rangern machen durfte, habe ich immer wieder erlebt, dass so mancher (und ich gebe zu, früher gehörte ich dazu) 15kg und mehr mit sich führte – ohne Wasser, Kocher und Proviant – für ein Wochenende! Doch alles ich das obige Prinzip erkannte, merkte ich, dass diese Gewichte bei mir dadurch zustande kamen, dass ich mit den falschen Gleichungen (in diesem Fall Ausrüstungsgegenständen) arbeitete und somit eine Verallgemeinerung und Vereinfachung nicht möglich war, will heißen: Wozu brauche ich ein normales (Essbesteck-)Messer, wenn ich sowieso ein Fahrtenmesser dabei habe? Muss es die schwere Edelstahlisoliertasse sein oder tut es nicht auch eine leichte aus Plastik. Ein Teller ist was ziemlich unpraktisches, wenn man sowieso einen Kochtopf dabei hat, aus dem gegessen werden kann. Brauche ich unbedingt eine schwere Regenjacke mitzunehmen, wenn ich so oder so einen Poncho dabei habe, der zumal noch viel flexibler einsetzbar ist.
So war ich in der Lage, mein Rucksackgewicht auf 10 kg mit 3 Litern Wasser, Kocher und Proviant zu reduzieren.
Jetzt streife ich im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert durch Feld und Wald – ohne schlechter gewappnet zu sein, als meine Gefährten.
Anderes Beispiel:
Mein Mac hat eine 250GB Festplatte. Davon sind momentan 117 belegt. Womit? Erstaunlicherweise mit viele Dingen, die ich einfach nur gespeichert habe, um sie in den unmöglichsten Fällen irgendwann mal gebrauchen zu können – und wenn dieser Fall eintritt, habe ich festgestellt, geht es viel schneller, eine neue Lösung zu finden, als die alte zu suchen und an das neue Problem anzupassen. Daher bin ich gerade fleißig am ausmisten (vor einigen Tagen waren noch 200 GB belegt, aber solchen unnötigen Ballast wie Microsoft® Windows® XP habe ich als erstes über Bord geworfen).
Doch trifft dies bei mir – und ich vermute bei vielen von euch ist das ebenso – nicht nur auf meine virtuellen Güter zu sondern auch auf die realen. Daher habe ich schon seit geraumer Zeit mein Verhalten insofern geändert, dass ich, bevor ich mir etwas anschaffte, sehr genau überlege, ob ich genau dieses etwas brauche oder ob ich nicht doch etwas anderes benutzen kann, um das Problem zu lösen. Doch – so muss ich ehrlich gesagt zugeben – sind meine Beweggründe alles andere als finanzieller Natur. Denn ich bin durchaus dazu bereit, für gute Qualität auch den Preis zu zahlen, den sie Wert ist und im Zweifelsfall mehr zu zahlen, aber dann auch den Gegenwert an Qualität zu erhalten; ich bin ein großer Gegner von Wegwerfprodukten und der momentanen Konsum- und Lustgesellschaft, in der wir leben.
Nein, es ist vielmehr so, dass Besitztümer mich belasten. Ich muss sie pflegen, in Ordnung halten, aufräumen etc. pp. Das kostet mich Zeit, Zeit, Nerven und Zeit. Und diese investiere ich lieber in andere Dinge, als darin, meine Krimskrams und allerlei unnötigen Krusch in Schuss zu halten.
Daher besitze ich nicht viel, aber das, was ich besitze, ist auch das, was ich brauche.
Langer Rede kurzer Sinn: Weniger ist Mehr!
Doch ist dieses Prinzip auch metaphysisch anwendbar:
Ist es nicht so, dass jeder seinen Rucksack mit Sorgen, Nöten und anderen Dingen trägt, die ihn belasten und zu Boden drücken, teilweise schier an der Stelle fesseln? Jeder ist doch auf der Sache nach Bestätigung, Anerkennung, Ehre und – ja im Endeffekt, aber nicht nur dort – Liebe?
Wäre es nicht toll, all diesen Ballast abzulegen? Bestätigung nicht aus irgendwelchen billigen Taten und Dingen zu beziehen, die vergänglich sind. Anerkennung und Ehre zu erhalten, die nicht mühsam erkämpft werden muss? Geliebt zu werden und genau zu wissen, dass man sich dies nicht verdienen kann, sondern es ein Geschenk ist, das man nur zu empfangen braucht – nicht mehr, aber auch nicht weniger?
Dafür ist Jesus ans Kreuz gegangen…